Einer der größten Vorteile von OpenZaurus ist dessen flexible Speicherverwaltung. Diese ermöglicht es, Programme und Daten aus dem RAM des Zaurus auf eine SD-Speicherkarte aus zu lagern. Außerdem werden Einstellungen "Hard-Reset-sicher" abgelegt. Das Original SharpROM hat dem nichts entgegen zu setzen und trotz der Möglichkeit, Programme teilweise diekt auf SD-Card zu installieren oder nachträglich zu verschieben, wird der Speicher früher oder später zu klein werden.

Als Lösung bietet sich hier der Einsatz des CackoROMs für den Sharp Zaurus SL-5500 an.



Anton Maslovsky hat auf Basis des SharpROM 3.10 ein eigenes ROM für den Zaurus erstellt. Diese nennt sich "5500 - Advanced Flash ROM update 3.10 (kernel 2.4.18)" und kann beispielsweise hier runter geladen werden: http://www.schwag.org/~crow/

Dieses ROM bringt folgende Änderungen mit sich:
Die wichtigste Änderung dürfte aber die Umstellung des Speichermanagements sein, denn das CackoROM ist ein "64-0"-ROM. Das bedeutet, dass vom RAM des Zaurus 64 MB als Hauptspeicher und 0 MB als Programmspeicher zur Verfügung stehen. Man hat also die gesamten 64 MB des Zaurus als Hauptspeicher zur Verfügung!
Dafür wird eine SD-Speicherkarte benötigt, die als Programm- und Datenspeicher Verwendung findet.

Diese Änderung hat weitreichenden Einfluß auf die Handhabung des Systems. So ist eine SD-Card nun zwingend notwendig die als "Festplatte" vom Zaurus genutzt wird. Im System erscheint die SD-Card folgerichtig auch nicht mehr als Speicherkarte, sondern als interner Speicher (Internal Storage).

Der Vorteil dieses Systems ist, dass alle Programme, Daten und Einstellungen auf dieser SD-Card liegen, also auf einem Batterie-unabhängigem Medium. Damit wird der Zaurus völlig resistent gegen leere Akkus und auch Hard-Resets übersteht der so problemlos, d.h. ohne das dies Auswirkungen auf die installierten Programme, Daten oder Einstellungen hätte.

Der Nachteil ist, dass der Zugriff auf die SD-Card deutlich langsamer ist, als der Zugriff auf den RAM des Zaurus und auch CF-Cards sind schneller. Mit einer passenden Speicherkarte und den richtigen Einstellungen ist die Zugriffszeit jedoch akzeptabel und nicht mehr so störend. Selbst Videos können dann flüssig von der SD-Card abgespielt werden.
Ein weiteres Problem ist, dass die Speicherkarte als ext2 formiatiert werden muss und somit von Kartenlesegeräten nicht mehr ohne weiteres aus zu lesen ist. Außerdem löst das Erstellen eines Backups von einer fast vollen 256 MB SD-Card nicht gerade einen Geschwindigkeitsrausch aus. Überhaupt wird für ein Backup nun wesentlich mehr Platz benötigt, da ja die gesamte SD-Card als interner Speicher angesehen wird (bei einer vollen 256 MB SD-Card werden also auch 256 MB für das Backup benötigt). Statt eines Backups auf eine CF-Card empfiehlt sich daher das Backup über die USB-Dockingstation mit dem entsprechenden Backup-Programm von Sharp durch zu führen!

Update: Leider ist die "Stromausfall- und Hard-Reset-Sicherheit" doch nicht ganz so hoch, wie zuerst gedacht. Denn nach einer Woche ohne Strom - oder nach einem Hard-Reset - initialisiert der Zaurus sein /home-Verzeichnis neu.
Dabei werden einige Einstellungen überschrieben, beispielsweise neu installierte Icons, was auf Dauer etwas lästig ist. Zum Glück hat das jedoch keinen Einfluß auf installierte Programme, Daten oder sonstige "normale" Einstellungenl.



Die Wahl einer SD-Card ist beim Zaurus nach wie vor eine ziemlich heikle Angelegenheit. Nur bei wenigen Herstellern gibt es (fast?) keine Probleme. Oftmals läuft die Karte eines Herstellers im Zaurus problemlos, ein identisches Modell des selben Herstellers in einem anderen Zaurus aber überhaupt nicht.
Aus diesem Grund kann ich hier auch keine pauschale Aussage oder Empfehlung aussprechen, lediglich meine bisherigen Erfahrungen nennen.

Panasonic Hi-Speed SD-Card 256 MB

Sowohl mit einer 64 MB SD-Card, als auch jetzt mit einer 256 MB High-Speed Karte von Panasonic habe ich keinerlei Probleme im Zaurus gehabt. Auch habe ich bisher immer nur von gute Erfahrungen beim Einsatz von Panasonic-Speicherkarten gehört. Zwar sind diese SD-Cards nicht gerade billig, aber offensichtlich sehr zuverlässig, unkompliziert und schnell.



Nachdem man sich die oben angegebene Datei (sl5500_cacko_beta-2.4.18.zip) herunter geladen hat, werden die darin enthaltenen Dateien initrd.bin (das eigentliche ROM) und zImage (der Kernel) auf eine leere CF-Card kopiert und der Zaurus gemäß Punkt 2 bis 6 der Anleitung zum SharpROM geflasht.

An dieser Stelle sollte man auch gleich noch den Cacko-Kernel-Patch einspielen. Dazu wird die Datei cacko-kernel-sl5500-64-0.zip benötigt. Nach dem Entpacken dieser Datei erhält man den neuen Kernel zImage-sl5500-64-0, der in zImage umbenannt werden muss. Dieser wird nun ebenfalls auf die (wieder leere) CF-Card kopiert und erneut ein Flash-Vorgang eingeleitet.

Hinweis: Möglicherweise sollte es auch gehen, den Kernel aus dem Patch driekt zusammen mit dem ROM zu flashen (also initrd.bin aus dem Cacko-ROM-Zip und zImage aus dem Cacko-Kernel-Patch).

Nach dem Flashen sollten sämtliche Karten aus dem Zaurus genommen werden (sowohl SD-, als auch CF-Cards). Nach einem Druck auf den Reset-Knopf, dem Schließen des Batteriedeckels und dem Umschalten auf "Normal Operation" kann der Zaurus nun wieder eingeschaltet werden. Statt dem Sharp-Schriftzug erscheint nun Tux (der Linux-Pinguin) auf dem Display und die Boot-Meldungen erscheinen.
Das Cacko-ROM wird sich nun beschweren, dass keine SD-Card gefunden wurde - richtig, es ist ja auch keine eingesteckt!

Mit einem Druck auf die "OK"-Taste des Zaurus gelangt man in die System-Shell (die Kommando-Zeile) des Zaurus und kann mit dem Einrichten der SD-Card das zukünfiges Speichermedium beginnen. Dazu steckt man die SD-Card in den Zaurus und gibt in der Shell den Befehl mkfs.ext2 /dev/mmcda1 ein und drückt "ENTER". Jetzt wird die SD-Card neu formatiert.

ACHTUNG: Alle Daten auf der Speicherkarte gehen dabei verloren!

Je nach Größe der Karte kann es jetzt ein Weilchen dauern, bis die Formatierung abgeschlossen ist - also nicht ungeduldig werden!

Nachdem das Formatieren beendet wurde, wird der Zaurus mit der Eingabe von exit, gefolgt von einem Druck auf "ENTER" neu gestartet. Im Gegensatz zum ersten Start sollte nun die SD-Speicherkarte gefunden und ins System eingebunden werden. Nun muß das Dateisystem eingerichtet und die Dateien auf die Karte kopiert werden. Das geht völlig automatisch, dauert aber eine Weile (im Regelfall zwischen 3 und 5 Minuten).
Keine Angst, diese Prozedur ist nur nach dem Flashen (oder nach einen Hardware-Reset) notwendig, später geht der Start erhebblich schneller von statten.

Nachdem das System initialisiert wurde, sollte Qtopia (die grafische Oberfläche) wie gewohnt starten.



Im Prinzip gelten auch für das Cacko-ROM die gleichen Dinge, die ich schon für das originale SharpROM beschrieben habe (beispielsweise Umstellung auf deutsche Sprache), auch wenn die zusätzlichen Programme im ROM schon einen Teil der Arbeit abnehmen.

Im Folgenden daher noch ein paar Besonderheiten im Zusammenhang mit dem Cacko-ROM.
Als erstes sollte man den Zaurus für das Zusammenspiel mit der SD-Card optimieren. Dazu wird der originale Treiber von Sharp durch eine alternative Version ersetzt.
  1. Lade mmcsd.o.gz herunter und kopiere die Datei auf den Zaurus
  2. Entpacke die darin enthaltene Datei mmcsd.o durch Eingabe von gunzip mmcsd.o.gz auf der Konsole
  3. Kopiere mmcsd.o nach /lib/modules/2.4.18-rmk7-pxa3-embedix/kernel/drivers/block
  4. Lösche in dem oben genannten Verzeichnis den Symlink sharp_mmcsd_m.o
  5. Lege einen neuen Symlink an: ln -s mmcsd.o sharp_mmcsd_m.o
  6. Starte den Zaurus neu (Reboot)

Dieser Treiber basiert auf dem Original von Sharp mit folgenden Änderungen (Zitat vom Programmierer des Treibers):
Als nächstes sollte der asychrone Schreibzugriff für die SD-Speicherkarte aktiviert werden. Damit werden Schreibvorgänge gecachet, d.h. die Daten werden nicht mehr sofort auf die Karte geschrieben, sondern zunächst in einem Teil des Hauptspeichers abgelegt. Erst später, wenn der Zaurus grad sonst nichts zu tun hat, werden diese Daten dann Stück für Stück aus dem Hauptspeicher auf die Speicherkarte geschrieben.
Das Schreiben in den Hauptspeicher natürlich wesentlich schneller geht, als auf die SD-Card, werden Schreibzugriffe damit erhbelich beschleunigt.

Um dieses Modus zu aktivieren, sind folgende Befehle auf der Konsole einzugeben:
  1. sudo bash
  2. echo MOUNT_OPTIONS=\"async,noatime\">/home/root/.rom_options
  3. reboot

Sollte sudo bash nicht funktionieren (weil das sudo-Paket noch nicht installiert ist), geht auch ein einfaches su. Nach dem Neustart des Zaurus sollte nun der asychrone Schreibzugriff aktiviert sein.

Sicherheitshalber sollte man auch noch den Fehler in der sdcontrol-Datei berichtigen, wie hier beschrieben!
Ein Neustart sollte auch diese Änderung wirksam werden lassen.
Nach dem ersten Start fällt die neue virtuelle Tastatur auf (grünes Tastatur-Icon in der Taskleiste), deren Layout sich zwischen Englisch und Russisch umschalten läßt. - Nett, aber für den deutschen Durchschnittsanwender eher unbrauchbar... Zum Glück gibt es aber Alternativen!

Virtuelle Tastatur
Virtuelle Tastatur aus dem CackoROM

Zunächst muß aber die virtuelle Tastatur aus dem CackoROM wieder entfernt werden. Dazu müssen aus /home/QtPalmtop/plugins/applets/ alle Dateien, die mit libkbdapplet und aus /home/QtPalmtop/plugins/inputmethods/ alle Dateien, die mit libcyrinput beginnen, gelöscht werden. Nach einem Neustart von Qtopia sollten sowohl die virtuelle Tastatur, als auch der "EN-RU-Umschalter" aus der Taskleiste verschwunden sein.

Als Alternative bietet sich QKeyboard qkb_0.3.2_arm.ipk an. Diese virtuelle Tastatur enthält neben Layouts für Deutsch und Englisch auch noch welche für Russisch und Koreanisch.

QKeyboard
Die Layouts aus dem QKeyboard



Die Systeminfo aus dem CackoROM liefert leider auch nicht mehr Informationen, als das Original von Sharp - also nicht sehr viel! Als ausgesprochen empfehlenswerte Alternative bietet sich daher die Systeminfo von http://www.iaccarino.de/silvio/zaurusstuff.htm an.

sysinfo sysinfo
Erweiteres Sysinfo

Neben dem oben genannten Programm kann man auf dieser Seite übrigens auch noch viele andere nützliche Infos und Tools finden. Es lohnt sich also auf alle Fälle, mal dort vorbei zu schauen!

Eine andere Eigenheit des Cacko-ROMs sind seine neuen Fonts. Die Icon-Beschriftungen sehen damit zwar recht hübsch aus, jedoch stört das Antialiasing öfters mehr, als das es nützt. Vor allem, wenn man einen kleinen Font auswählt (beispielsweise im Texteditor), kann man kaum noch was erkennen.
Mit ein wenig Bastelei kann man aber auch dieses Problem lösen. Dazu sollten "ZStyle", sowie optional noch zusätzliche Fonts auf dem Zaurus installiert werden. Mit ZStyle lassen sich dann die Fonts für's System und die Icons getrennt einstellen. Etwas Geduld und Ausdauer ist jedoch gefragt, bis man das optimale Ergebnis für den persönlichen Geschmack gefunden hat.

ZStyle
ZStyle - zur Auswahl der Schriftarten

Im Cacko-ROM ist eine Version von "Opie Language" installiert. Standardmäßig gibt es hier jedoch nur "English" zur Auswahl. Es ist jedoch möglich, weitere Sprachpakete aus den Opie-Feed nach zu installieren, beispielsweise "Deutsch". Damit läßt sich zumindest der language-Eintrag in der locale.conf-Datei (vergleiche Man spricht Deutsch) mit einem Knopfdruck ändern, was die Icon-Bezeichnungen beeinflußt.
Auf die Anwendungen selbst, scheint das ganze jedoch keinen Einfluß zu haben.



Leider ist auch das CackoROM nicht frei von Fehlern, wobei die meisten wohl auf das SharpROM 3.10 als Basis zurück zu führen sind. Maslovsky meinte zwar, er wolle zumindest noch eine neue, fehlerbereinigte Version des CackoROMs heraus bringen, aber wann das sein wird, konnte er mir auch noch nicht sagen - und nach 2 Jahren dürfte es auch eher unwahrscheinlich sein, dass es noch einmal ein Update geben wird. Schade...
Wird auf ein Icon länger geklickt, erscheint ein Dialog, der bei den meisten Programmen die Option enthält, diese mit root-Rechten ("Execute with root privileges") zu starten. Setzt man ein Häkchen in dieses Feld und schließt den Dialog mit "OK", wird diese Einstellung zwar übernommen (das Programm wird tatsächlich "als" root gestartet), jedoch wird das Häkchen nicht angezeigt, wenn man den Optionsdialog des Programms erneut öffnet. - Ein Bug aus dem SharpROM 3.10.
Direkt nach dem ersten Start zeigt die Systeminfo 64 MB Hauptspeicher an. Später werden dann nur noch 47 MB Hauptspeicher angezeigt. Leider kann ich jetzt nicht sagen, ob nur die Anzeige falsch ist, oder ob der Zaurus tatsächlich nur 47 MB Hauptspeicher nutzt. - Der Bug kommt wohl aus einem Fehler im Kernel.



©2004-2006 Frank A. Grenzel
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