Um es gleich vorweg zu nehmen, ein tiefgehendes Review ist dies hier sicherlich nicht. Dazu habe ich mich auch noch nicht lange genug mit dem Zaurus beschäftigt, aber als Informationsquelle für den Einstieg - oder Umstieg - sollte es dennoch reichen. Der SL5500-G läuft bei diesem Test mit dem originalen SharpROM 2.38G, sowie dem englischen SharpROM 3.13.


Als ich das erste Mal von einem Linux-PDA namens "Zaurus" gelesen hatte, der auch noch eine eingebaute Tastatur haben sollte, war ich begeistert. Wenig später konnte ich ein solches Exemplar in unserem Elektronikmarkt genauer unter die Lupe nehmen.
Ergebnis: Diesen PDA wollte ich haben!
Leider war der damalige Preis von über 500 Euro für mich jenseits von gut und böse - und so entschied ich mich für einen - jetzt bitte nicht hauen - gebrauchten PocketPC. Die Wahl fiel auf einen Casio E-200G mit PocketPC 2002. Dieser kostete mich bei besserem Lieferumfang (Echt-Ledertasche von Krusell, 64 MB SD-Card) nicht mal die Hälfte eines neuen Zaurus. Ok, der Casio war zwar gebraucht, aber ich bekam ihn mit Restgarantie.

Mein Casio E-200G ist ein Gerät der zweiten Generation. Die Mängel der ersten Generation (sich im Display spiegelndes Gehäuse, durchbrennende Hintergrundbeleuchtung, abplatzender Lack) sind bei dieser Version beseitigt worden. Damit erhält man einen soliden PocketPC mit reichhaltiger Ausstattung.
Übrigens, der Support von Casio hat an dieser Stelle ein dickes Lob verdient! Im Februar 2004 hat mir Casio auf Garantie (!) das Gehäuse meines E-200G getauscht, nachdem an einer Stelle ein Stück von Lack abgplatzt war. Dabei wurde der PocketPC auch gleich noch einem Komplett-Check unterzogen.


Casio E-200G Casio E-200G Sharp Zaurus SL5500-G Sharp Zaurus SL5500-G
Der Casio E-200G und der Sharp Zaurus SL5500G



Im Mai 2004 war ich dann mal wieder bei meinem Cousin zu Besuch. Dieser meinte dann beiläufig zu mir "Du, ich habe da diesen Linux-PDA. Aber der ist nichts für mich, habe mir lieber dieses Palm von Sony geholt. Das Linux-Teil liegt bei mir nur in der Kiste rum. Willst Du das Teil haben?" - Ja klar wollte ich!
Und so bin ich nun doch noch - unerwartet - zu meinem Zaurus gekommen...



Selbst im Verlgeich zum nicht gerade zierlichen Casio wirkt der Zaurus ganz schön globig. Vom Design her gefällt mir das abgerundete und mit einer 2-farbigen Lackierung versehene Gehäuse des E-200G doch deutlich besser. Der Zaurus liegt dagegen wie ein Ziegelstein in der Hand - macht dafür aber den Eindruck, auch genauso stabil wie einer zu sein. Auch gut.
Schön finde ich, dass sich der I/O Port des Zaurus mit einer ins Gehäuse eingelassenen Klappe verschließen lässt, weniger schön, dass dieses Konzept nicht auch bei den beiden Erweiterungsslots (SD/CF) Anwendung gefunden hat. Der Casio verbirgt wenigstens den SD-Slot hinter einer Klappe.

Seitenansicht des E-200G
Beim Casio verschwindet die SD-Card hinter einer Klappe

An dieser Stelle möchte ich noch auf eine Besonderheit des Zarus hinweisen, die meines Wissens zum damaligen Zeitpunkt einmalig war: Der SL-5500G hat eine eingebaute Tastatur!
Obwohl diese Tastatur ziemlich winzig ist, läßt sie sich dennoch ausgesprochen gut bedienen. Das Biedienung des Zaurus macht damit richtig Spaß und Anwendungen wie Word oder eMail lassen sich auf einem PDA nur so wirklich sinnvoll nutzen.

Die Tastatur des SL5500-G
Die Tastatur des SL5500-G



Dem Zaurus geht bekanntlich mit einer Akku-Ladung schnell die Puste aus. Im Vergleich zum E-200G war ich jedoch recht positiv überrascht. Subjektiv habe ich das Gefühl, der Zaurus hält länger durch. Da kann aber auch daran liegen, dass die Ladestandsanzeige lange Zeit auf "Voll" steht und dann direkt auf "40%" umspringt, während der Casio beständig über seine schwindende Energie Auskunft gibt. Dafür gibt sich der Zaurus auch bei 40% Akku-Kapazität noch zufrieden ("Good"), während ein PocketPC in diesem Stadium bereits mit Warnungen ("Gefärdung der Datenintigrität", "Synchronisation nicht mehr möglich", "Untere Sicherheitsgrenze erreicht") Panik verbreitet.

Update: Das Problem mit der merkwürdigen Akku-Anzeige beim Zaurus habe ich inzwischen durch einen Kernel-Patch beseitigt. Nähere Infos dazu sind auf der Zaurus-Seite zu finden.

Der Akku des E-200G
Der Akku des Casio E-200G - Links ist die runde Klappe
für die Sicherungsbatterie zu sehen

Gut finde ich, dass der Zarus zumindest eine minimale "Sicherungsbatterie" hat, die auch bei leerem Akku den RAM-Inhalt wenigstens für kurze Zeit puffert. Besser wäre es jedoch gewesen, wenn Sharp hier wie beim E-200G eine kleine auswechselbare Lithium-Zelle genommen hätte. Die muß zwar, wenn einmal verbraucht, gewechselt werden, aber dafür kann man den PocketPC auch mal eine Woche ohne Strom liegen lassen, ohne dabei alle Daten ins Nirvana zu schicken.

Update: An dieser Stelle kann ich gleich zwei Updates bringen. Zum einen habe ich das Energie-Problem beim Zaurus durch einen externen Akkupack-Eigenbau etwas gelindert, zum anderen muß die Kritik einer fehlenden Sicherungsbatterie mit dem Einsatz des Cacko-ROMs revidiert werden. Dieses ROM, welches ich momentan einsetze, basiert auf dem auf dieser Homepage beschriebenen SharpROM 3.1x und enthält einige Erweiterungen. Vor allem wurde das Speichermodell dahingehend geändert, dass der Zaurus eine SD-Card als "Festplatte" verwendet, so dass alle Daten, Programme und Einstellungen sicher auf dieser abgelegt werden - weder ein totaler Stromausfall, noch ein Hard-Reset können diesen Daten nun noch etwas anhaben - damit kann dann selbst der Casio mit seiner Sicherungsbatterie nicht mehr mithalten.



Wow! - Anders kann ich das Display des Zaurus SL-5500G nicht beschreiben. Es ist hell, gut ausgeleuchtet, der Kontrast stimmt und die Farben kommen kräftig rüber. Da kann der Casio nicht mehr mithalten. Der gute Eindruck setzt sich auch beim Stylus fort, der angenehm leicht und glatt über den Touchscreen läuft. Hier hatte ich beim E200-G immer Angst, mir das Display auf zu schlitzen.
Der Sharp verfügt darüber hinaus über einen "Screen-Protector", eine Plasteklappe, die über dem Display liegt. Diese muß zum Arbeiten weg geklappt werden, kann aber auch ganz abgenommen werden.
Zuerst fand ich dieses Plastikteil ziemlich - naja, sagen wir mal irgendwie deplatziert - aber inzwischen habe ich es zu schätzen gelernt. Die Klappe schützt das Display beim Transport sicher vor Beschädigungen und hält auch Staub und Fusseln zuverlässig fern (wer mal einen PDA ein paar Tage "offen" hat liegen lassen, der weiß was ich meine *g*). Ideal wäre es gewesen, hätte Sharp den Milchglaseffekt bei dem Protector weg gelassen und stattdessen eine völlig transparente Klappe verwendet. Schade.

Casio E-200G Sharp Zaurus SL5500-G



Der Casio E-200G hat 64 MB RAM, 32 MB Flash-ROM und jeweils einen Slot für CF- und SD-Karten. Mit dem PCMCIA-Jacket gibt es noch einen zusätzlichen PCMCIA-Slot.
Beim Zaurus sind ebenfalls 64 MB RAM vorhanden, jedoch werden diese (beim ShapROM) fest in jeweils 32 MB Daten- und Hauptspeicher unterteilt. Beim PocketPC ist diese Aufteilung flexibler geregelt - je mehr Programme installiert werden, desto weniger Hauptspeicher bleibt übrig.
Auch wenn das System des Zaurus da nicht so flexibel ist, so hat es auch seine Vorteile: Ein Programmierer kann von (relativ) festen Hauptspeichergrößen ausgehen. Beim PocketPC kann es leicht passieren, dass man nach der Installation einer Anwendung nicht mehr genügend Hauptspeicher frei hat, um diese auch starten zu können.
Darüber hinaus hat der Zaurus aus seiner Linux-Basis noch 2 Features mitgebracht: Er kann den Hauptspeicher durch eine SWAP-Datei vergrößern (die dann ebenfalls im RAM liegt, aber halt im Datenspeicherbereich) und Programme oder Daten können auf eine Speicherkarte ausgelagert und durch Symlinks ins System integriert werden. Beim PocketPC lassen sich Programme zwar auch auf eine Speicherkarte installieren, aber oftmals wird dabei nur ein Verzeichnis auf der Karte angelegt und das Programm landet doch wieder im Windows-Verzeichnis, also im RAM.

Update: Das Cacko-ROM, welches ich momentan einsetze, basiert auf dem auf dieser Homepage beschriebenen SharpROM 3.1x und enthält einige Erweiterungen. Vor allem wurde das Speichermodell dahingehend geändert, dass der Zaurus eine SD-Card als "Festplatte" verwendet, so dass alle Daten, Programme und Einstellungen sicher auf dieser abgelegt werden - weder ein totaler Stromausfall, noch ein Hard-Reset können diesen Daten nun noch etwas anhaben. Außerdem werden so die gesamten 64 MB RAM als Hauptspeicher zur Verfügung gestellt.

Und obwohl beide PDAs mit einem 206 MHz StrongARM Prozessor ausgestattet sind, scheint der Zaurus seine Arbeit deutlich zügiger zu erledigen.



Ok, an dieser Stelle muß ich zugeben, dass ich mich in Sachen Multimedia & PDA dem aktuellen Trend verweigere. Videos oder MP3s auf einem PDA? Hier zeigt sich meiner Meinung nach, dass es nicht unbedingt sinnvoll ist, alles zu machen, nur weil es machbar ist. Trotzdem hat sich der durch Windows CE und die PocketPCs eingeleutete Trend auch auf dem Linux-PDA fortgesetzt.
Bevor man sich eine Sammlung großer Speichermedien (z.Bsp. CompactFlash ab 512 MByte oder Microdrive), sowie Akkus oder Batteriepacks ohne Ende anschafft, sollte man sich überlegen, ob man das wirklich braucht, und wenn ja, ob dann nicht beispielsweise ein portabler DVD-Player mit TFT-Display oder ein echter MP3-Player (der "von Haus aus" schon 10 Stunden am Stück spielen kann) nicht sinnvoller sind. Nur so ein Gedanke...

Welchen Sinn macht es, Videos auf einem PDA abzuspielen? Kleine Displays, kurze Akku-Laufzeit und aufwändige Anpassung des Videomaterials an die kleinen Rechner - trotzdem sind beide PDAs mit Video-Abspielsoftware ausgestattet. Der Casio kommt mit dem von Windows bekannten Media Player 8 und kann auch WMV-Videos wiedergeben. Der Videoplayer des Zaurus benötigt MPEG1-Videos. Auch wenn man über den Sinn streiten kann, so geben doch beide Geräte entsprechend kodierte Videos flüssig wieder.
Mit entsprechender Software können beide PDAs auch andere Videoformate, insbesondere DivX wiedergeben.

Mit WAV-Dateien können beide PDAs umgehen. Während der Casio dank Media Player Codec auch WMV-Audio-Dateien abspielen kann, beherrscht der Zaurus die MP3-Wiedergabe. Darüber hinaus läßt sich der PocketPC auch über eine (optinale) Kabelfernbedienung steuern.

Auch hier gibt es wieder Software, die zusätzliche Formate, beispielsweise OGG oder MOD, wiedergeben kann.



Ja ja, über Multimedia lästern, aber Spiele mögen! - Aber ich gebe zu, ein Spielchen auf dem PDA kann durchaus Spaß machen. Vor allem bei langen Zugfahrten vergeht die Zeit doch erheblich schneller - genügend Akkuleistung voraus gesetzt.

Zum Spielen sind grundsätzlich beide PDAs gut geeignet, wobei der Zaurus dank seiner Tastatur sogar noch vielseitiger einsetzbar ist. Außerdem läßt sich der Cursor des Sharp präziser benutzen - ein weiterer Pluspunkt für den Linux-PDA.

Allerdings nützt die beste Hardware nichts, wenn keine guten Spiele in Form von Software vorhanden sind. Hier hat der Zaurus erstaunlicher Weise bei den mitgelieferten Spielen die Nase deutlich vorne. Für "das Spielchen zwischendruch" sollte da für jeden etwas dabei sein. Neben den üblichen Solitär-Kartenspielen und dem unvermeidlichen Minesweeper bringt der Zaurus u.a. auch den Klassiker Asteroids und das Brettspiel Go mit.

Ansonsten ist das Spiele-Angebot auf beiden Seiten recht groß, wobei insbesondere beim PocketPC Adaptionen bekannter PC-Titel zu finden sind. So sind sowohl Sim City 2000, als auch Age of Empires auf dem Casio lauffähig und PGA Tiger Woods Golf oder Zio Golf 2 zeigen eindrucksvoll die grafischen Fähigkeiten moderner PDAs. Auch verschiedene 3D-Rennsportspiele (Autorennen, Motoradrennen) mit hervorragender Grafik und Sound sind für PocketPCs zu finden. Auffällig dabei ist, dass es sich dabei in der Regel um kommerzielle Programme handelt, die mit Preisen bis 20 Euro pro Spiel nicht gerade günstig sind.
Beim Zaurus findet man dagegen nur eine Hand voll kommerzielle Spiele, meist sind es jedoch freie Programme. Das kostenlos nicht gleichbedeutend mit schlecht ist, beweißen solche Spiele wie Crimson Field oder prboom. Sogar eine Pool-Billiard-Simulation findet man für den Linux-PDA.



Was zunächst garnicht auffällt: Der Zaurus hat keinen Lautsprecher! Das merkt man zunächst aber garnicht, da er statt eines Lautsprechers einen Buzzer hat. Dieser gibt Systemsounds (Tastendrücke, Stift-Klicks, Alarme) wieder. Man wundert sich nur, warum bei Spielen oder bei MP3s und Videos keinen Ton kommt - dazu braucht man einen Kopfhörer!
Allerdings ist dies auch nicht unbedingt störend, denn wer will schon, dass im Umkreis alle mitbekommen, wenn man mal wieder wild um sich feuernd eine feindliche Basis einnimmt. ;-)
Ein Mikrofon hat der Zaurus übrigens auch nicht. Dafür kann man ein Mkrofon oder ein Headset an den Zaurus anschließen.

Der Casio hat dagegen sowohl ein Mikrofon, als auch einen - nicht unbedingt berauschenden - Lautsprecher. Und noch etwas hat der PocketPC: Einen USB-Host! Damit ist es möglich - einen entsprechenden Treiber vorausgesetzt - beliebige USB-Geräte am Casio zu betreiben. Man kann beispielsweise eine USB-Tastatur, Maus, ja sogar eine USB-Festplatte anschließen!
Darüber hinaus gibt es für den Casio auch noch ein PCMCIA-Jacket, ähnlich dem des iPAQ. Damit erhält der PDA einen Standard-USB-Anschluß, einen PCMCIA-Slot Typ II (zusätzlich zu den schon vorhandenen CF- und SD-Slots), sowie einen 2. Akku. Der Akku im Jacket kann dabei sowohl die PCMCIA-Karten mit Strom versorgen, als auch den (baugleichen) Akku des Casios aufladen. Ich konnte damit problemlos mein altes 33.6er PCMCIA-Modem, sowie meine Ethernet-Card nutzen.
Will man nur einen Standard-USB-Anschluß, kann man statt des Jackets auch einfach den USB-Adapter benutzen. Mit Hilfe eines seriellen Adapter-Kabels hat man dann auch einen seriellen Anschluß zur Verfügung.

Casio E-200G - USB-Adapter Casio E-200G - PCMCIA-Jacket
USB-Adapter und PCMCIA-Jacket für den Casio E-200G



Ein eindeutiges Fazit zu ziehen ist nicht einfach, zu unterschiedlich können die Schwerpunkte einzelner Nutzer sein.

Für den reinen PIM-Anwender (Termine, Aufgaben, Adressen, evtl. eMail) ist der PocketPC sicherlich noch die besser Wahl (obwohl der PALM, bzw. Sony's PALM-PDAs da wohl noch ein Stück direkter zu handhaben sind). In einigen Details (Today/Heute-Anzeige, Termine mit automatischer Benachrichtigung der Teilnehmer per eMail, Synchronisation auch von eMail-Unterordnern) muß sich der Zaurus noch geschlagen geben. Allerdings hatte Microsoft hier auch mehrere Jahre und über 4 WindowsCE-Generationen gebraucht, um mit PocketPC 2002 endlich ein halbwegs vernünftiges PDA-System abzuliefern.
Beiden PDAs gemeinsam ist die kurze Akku-Laufzeit. Schon aus diesem Grund dürften reine PIM-Anwender hier anderen Geräten den Vorzug geben.

Will man seinen PDA als mobiles Büro einsetzen, also Office-Programme verwenden, hat hier der Zaurus die besseren - kostenlosen - Programme zu bieten. Hancom Word und Sheet schlagen PocketWord und PocketExcel um Längen! Bessere Alternativen gibt es für beide PDAs, jedoch kosten diese viel Geld.

In Sachen "Dokumenten-Viewer" sind beide PDAs gut gerüstet. Verschiedene Bildbetrachter, eBook-Reader und PDF-Viewer (beim PocketPC sogar das Original "Adobe Acrobat Reader") sind vorhanden.

Will man sich nicht nur Dokumente betrachten, sondern auch selber aktiv werden, bietet der Casio mit dem Transcriber eine nachezu perfekte Zeichenerkennung. Beliebig auf das Display geschriebene Texte werden mit großer Treffsicherheit erkannt und in die jeweiligen Anwendungen eingefügt. Die Buchstabenerkennung des Zaurus wirkt dagegen hoffnungslos antiquiert.
Doch klappt man die Tastatur des Zaurus erstmal heraus, wird man der umständlichen Stiftschieberei anderer PDAs keines Blickes mehr würdigen. Trotz ihrer geringen Größe lassen sich die Tasten erstaunlich gut und sicher bedienen, auch längeres Tippen ist damit kein Problem.

Dem Thema Multimedia habe ich ja bereits ein eigenes Kapitel gewidmet. Im direkten Vergleich ist hier - man staune - der Zaurus der Sieger, was er vor allem seinem besseren Display zu verdanken hat. Eine enstsprechende Player-Software vorausgesetzt kann spielt der Linux-PDA nicht nur MPEG-1, sondern auch DivX-Filme flüssig ab. Bei der Wiedergabe von MP3s kann der PocketPC mit einer besserern - auch kostenlos erhältlichen - Player-Software punkten. Diese bietet vor allem einen Grafik-Equvalizer, mit dem sich der Klang anpassen läßt. Das habe ich bis jetzt noch bei keinem der freien Zaurus-Player gefunden.
Das Fehlen des Lautsprechers beim Zaurus macht sich hier übrigens nicht nachteilig bemerkbar, da die kleine Mono-Quäke des Casio kaum zum Hören von Musik oder Filmen geeignet. Ein Kopfhörer ist hier also für beide PDAs Pflicht.

Beim Thema Spielen hat auch wieder der Zaurus klar die Nase vorn. Zwar findet man solche Boliden wie "The Mark" (3D-Scharfschützenspiel mit extrem detailierter Umgebung) oder "Age of Empires" (zum PC kompatible Umsetzung des 3D-Echzeit-Hits) nicht auf dem Linux-PDA und eine Golf-Simulation - erst Recht vom Kaliber eines PGA Tiger Woods Golf - wird man wohl ewig suchen müssen, doch davon abgesehen bietet der kleine Rechner Unterhaltung vom feinsten. Einige Spiele muß sogar der "Multimedia-PDA PocketPC" schuldig bleiben: Billiad oder Schach - so lange man dafür kein Geld ausgeben will - gibt es dafür nicht. Und mit ScummVM kann man sogar seine alten Lucasfilm/LucasArts-Adventure auf dem Zaurus spielen. Einfach genial!

Möchte man selbst "Hand anlegen" und eigene Programme entwickeln, bietet Microsoft für sein WindowsCE eigene Versionen von MS Visual C++ und Visual Basic zum kostenlosen Download an. Diese werden unter Windows installiert und ermöglichen die einfache, schnelle und recht kompfortable Entwicklung eigener Programme.
Der Zaurus stellt mit Qt/Embedded im Prinzip ein ähnlich kompfortables Programmiersystem zur Verfügung, welches zudem unter Windos und Linux läuft, dennoch fällt der Zugang dazu doch erheblich schwerer (zumindest mir ging es so, obwohl ich schon einige Erfahrung mit dem "normalen" Qt unter Windows habe). Von dieser kleinen Schwäche abgesehen bietet der Linux-PDA jedoch alles, was man zum Programmieren benötigt. Dank seines Betriebssystems laufen hier Perl, PHP, Phyton, Java, C/C++, sowie noch einiges mehr! Durch entsprechende Editoren - und vor allem der Tastatur - ist auch das Programmieren direkt auf dem Zaurus damit kein Problem.

Im Bereich Internet und Netzwerk haben beide PDAs viel zu bieten, doch kann der PocketPC auch hier nicht gegen den Zaurus punkten. Dieser hat zwar noch mit einigen Schwächen im Bereich WLAN, Bluetooth oder GPS zu kämpfen, holt hier aber beständig auf.
Auf Seiten der Software liegt hier der Zaurus auch wieder Dank seines Linux-Betriebssystems in Führung und der Opera Web Browser 6.0 läßt den Internet Explorer des PocketPC auch ziemlich alt aussehen.

  Casio E-200G
PocketPC 2002
Sharp Zaurus SL-5500G
Linux/Qtopia, SharpROM 3.13
PIM (Termine, Aufgabe, Adressen)
Office (Texte, Tabellen)
eBooks, Dokumenten-Viewer
Texteingabe
Multimedia - Filme
Multimedia - Musik (MP3)
Spiele
Programmieren
Internet, Netzwerk
Zubehör, Erweiterungen (Hardware)
Flexibilität, Erweiterbarkeit (Software)
GESAMT

Schlußfazit: Wer einen unkomplizierten PDA für seine Termine, eMails und Adressen sucht, wird sicher eher zum PocketPC greifen. Der Casio E-200G ist unkompliziert zu handhaben, man findet sich schnell überall zurecht und erlebt keine Überraschungen. Der Abgleich mit Outlook klappt - wenn auch nur mit einem PC - reibungslos.
Mit dem Zaurus hat Sharp genau das richtige Hitech-Spielzeug für die "OpenSource-Generation" (ich denke da jetzt gerade an den Film "Startup" *g*) auf den Markt gebracht. Der SL-5500 lädt mit seinem Linux-Unterbau einfach zum Experimentieren und Ausprobieren ein. Die solide Hardware-Basis - insbesondere die eingebaute Tastatur - trägt dem Rechnung. Der Zaurus versteht sich daher auch in erster Linie nicht als PIM-PDA, sondern als "Personal Mobile Tool".



Casio hat die Produktion des E-200G 2003 eingestellt und es sieht auch nicht danach aus, als ob es einen Nachfolger geben wird. Das ist ziemlich schade, da Casio nach der Beseitigung der "Kinderkrankheiten" mit dem E-200G einen wirklich exzellenten PocketPC auf dem Markt hatte.
Aus diesem Grund dürfte man den Casio also nur noch gebraucht finden, beispielsweise bei eBay, wo er Anfang 2004 zwischen 150 und 200 Euro gehandelt wurde. Man sollte darauf achten, ein Gerät der 2. Generation mit Restgarantie (Casio gibt 2 Jahre Herstellergarantie!) zu bekommen.

Dem Zaurus ergeht es in Deutschland leider nicht viel anders, als dem Casio. Während in Japan und Amerika bereits die Nachfolgemodelle SL-5600 (jetzt mit eingebautem Lautsprecher und Mikrofon, größerem Akku und 400 MHz XScale-CPU) und SL-6000 (Displayauflösung 480x640 Pixel) gehandelt werden, hat Sharp in Deutschland selbst den Vetrieb des SL-5500G eingestellt. Die Nachfolgermodelle wird man daher wohl nur über Importeure beziehen können.
Derzeit werden die Restposten des SL-5500G zu Preisen zwischen 200 und 400 Euro verkauft. Hier lohnt sich also der Preisvergleich!

Update: Mitte 2006 ist der Casio E-200G kaum noch zu finden. Bei eBay wird er noch vereinzelt zu Preisen zwischen 50 und 100 Euro angeboten.
Dem Sharp Zaurus SL5500-G ergeht es da im Moment noch etwas besser. Man findet regelmäßig Angebote zwischen 80 und - je nach Ausstattung - 150 Euro. Sogar einige Händler bieten den Zaurus noch mit Gewährleistung an. Auch Zubehör ist für ihn immer noch reichlich zu bekommen.



©2004-2006 Frank A. Grenzel
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